Warum die meisten Sanierungen scheitern
Eine ernüchternde Zahl vorweg: Acht von zehn Sanierungsversuchen führen nicht zum Ziel. Oberflächlich betrachtet scheint mangelnde Liquidität der Hauptgrund zu sein. Doch wer genauer hinsieht, erkennt das eigentliche Problem: Fehlende Bereitschaft zur grundlegenden Verhaltensänderung. Ein erfahrener Interim-Experte erklärt, woran Rettungsversuche wirklich scheitern – und wie es besser geht.
Die Krisenfalle: Wenn Erfolg blind macht
Unternehmenskrisen haben selten eine einzelne Ursache. Vielmehr wirken verschiedene negative Entwicklungen über längere Zeit zusammen, bis die Situation kippt. Besonders gefährdet sind paradoxerweise die langjährigen Marktgewinner: Wer jahrzehntelang erfolgreich war, entwickelt eine gefährliche Trägheit. Innovation? Brauchen wir nicht. Veränderung? Wozu, läuft doch alles.
Diese Selbstgefälligkeit ist oft der Anfang vom Ende. Und selbst wenn die Probleme bereits sichtbar sind, werden sie häufig erst angegangen, wenn es brennt. Das Resultat: ein permanenter Krisenmodus, in dem nur noch die akutesten Brandherde gelöscht werden. Strategisches Handeln? Fehlanzeige. Stattdessen bestimmt Reaktion statt Aktion den Alltag.
Der entscheidende Unterschied: Vorausschauende versus reaktive Unternehmen
Die erfolgreichen Organisationen denken über Veränderungen nach, bevor sie den Zenit erreichen. Die weniger erfolgreichen warten, bis sie am Tiefpunkt angekommen sind. Der zentrale Hebel zur Krisenvermeidung liegt im aktiven Streben nach kontinuierlicher Weiterentwicklung.
Das Dilemma dabei: Je besser ein Unternehmen wirtschaftlich dasteht, desto schwerer fällt der Abschied von bewährten Strukturen und Prozessen. Erfolg kann lähmend wirken – und genau das wird vielen zum Verhängnis.
Die Lösung liegt im Mindset, nicht im Kontostand
Nachhaltige Sanierung bedeutet mehr als nur finanzielle Stabilisierung. Sie erfordert einen echten Kulturwandel: vom reaktiven Krisenmanagement hin zur proaktiven Unternehmensgestaltung. Nur wenn sich Verhaltensweisen und Denkstrukturen fundamental ändern, entsteht die Basis für dauerhaften Turnaround.
Krisen sind Chancen – aber nur für jene, die bereit sind, sich selbst zu hinterfragen und anzupassen. Wer frühzeitig Veränderungsbereitschaft kultiviert, muss gar nicht erst sanieren.

